{"id":238,"date":"2015-08-24T15:41:27","date_gmt":"2015-08-24T13:41:27","guid":{"rendered":"http:\/\/decolonize-mitte.de\/?p=238"},"modified":"2016-02-18T12:19:26","modified_gmt":"2016-02-18T10:19:26","slug":"hintergrundinformationen-zur-umbenennung-der-m-strasse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/decolonize-mitte.de\/?p=238","title":{"rendered":"Hintergrundinformationen zur Umbenennung der &#8222;M-Stra\u00dfe&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Berliner \u201eMohrenstra\u00dfe\u201c soll umbenannt werden!<\/strong><\/p>\n<p>Der 23. August ist der Internationale Tag zur Erinnerung an den Versklavungshandel und seine Abschaffung. Wir nehmen diesen Tag zum Anlass, Berlins direkte Beteiligung an dem \u00fcber Jahrhunderte hinweg praktizierten Verbrechen an der Menschheit in Erinnerung zu rufen. Selbst wenn die Stadt das gern verschweigt: Durch Berliner und Brandenburger, die im heutigen Ghana eine Kolonialfestung errichteten, wurden im sp\u00e4ten 17. Jahrhundert fast 20.000 Menschen aus Westafrika in die Karibik deportiert.<\/p>\n<p>Auch in die Residenzstadt Berlin wurden damals eine Anzahl versklavter Minderj\u00e4hriger verschleppt. Sie wurden zum Dienst am Hof und im Heer der brandenburgischen Kurf\u00fcrsten und preu\u00dfischen K\u00f6nige gezwungen und von der <em>wei\u00dfen<\/em> Bev\u00f6lkerungsmehrheit mit dem Begriff \u201eMohren\u201c diskriminiert. Der zu Beginn des 18. Jahrhunderts vergebene Stra\u00dfenname transportiert diese rassistische Gewalterfahrung Schwarzer Menschen in Berlin bis in die Gegenwart.<\/p>\n<p><strong>Wir fordern den Stadtbezirk Berlin Mitte daher nachdr\u00fccklich dazu auf, die Stra\u00dfe nach einer verdienten Pers\u00f6nlichkeit afrikanischer Herkunft umzubenennen und im \u00f6ffentlichen Raum \u00fcber die Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Namenswechsel zu informieren.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0Ist das M-Wort rassistisch?<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem <em>wei\u00dfe<\/em> Menschen ma\u00dfen sich an, die von ihnen verwendete Fremdbezeichnung M. f\u00fcr Schwarze Menschen als \u201eharmlos\u201c zu bewerten. Seit der Antike schwang dabei jedoch auch das griechische Wort <em>moros<\/em> (\u03bc\u03c9\u03c1\u03cc[\u03c2]) in der Bedeutung von \u201et\u00f6richt\u201c und \u201edumm\u201c mit. Im europ\u00e4ischen Mittelalter kam dazu die Vorstellung vom schwarzen Teufel, der im Mittelhochdeutschen auch direkt als <em>m\u014dr <\/em>bzw. <em>hellem\u014dr<\/em> bezeichnet wurde. In der Hochzeit des transatlantischen Versklavungshandels verfestigte sich in Deutschland das mit dem M-Wort verbundene Bild eines unzivilisierten, schmutzigen und zur Arbeit f\u00fcr die <em>wei\u00dfen<\/em> (Kolonial-)Herrschaften bestimmten Menschen. Im 20. Jahrhundert schlug sich die Abwertung dann schlie\u00dflich in der kolonialrassistischen Werbefigur des kindlichen und diensteifrigen \u201eSarotti-M.\u201c nieder, die vom verantwortlichen Konzern inzwischen (halbherzig) verfremdet und umbenannt wurde.<\/p>\n<p><strong>Wer fordert die Umbenennung?<\/strong><\/p>\n<p>Von den Verteidiger_innen des Stra\u00dfennamens wird immer wieder behauptet, dass nur eine kleine radikale Gruppe gegen die Bezeichnung protestiere. Doch das Gegenteil ist der Fall: Eine der ersten scharfen Kritikerinnen war die prominente Schwarze Aktivistin May Ayim (1960-1996), die bereits in den 1990er Jahren gegen die damalige Benennung des gleichnamigen U-Bahnhofs protestierte und auf die Verantwortungslosigkeit der politisch Zust\u00e4ndigen verwies. 2004\/05 forderten dann alle 20 Mitgliedsorganisationen des Afrika-Rats Berlin Brandenburg die Umbenennung zu Ehren einer afrikanischen Pers\u00f6nlichkeit. Heute unterst\u00fctzen auch der Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde in Deutschland, die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, der Migrationsrat Berlin Brandenburg sowie eine Reihe von entwicklungspolitischen Landesnetzwerken mit hunderten von Mitgliedsorganisationen dieses Anliegen. Mehrmals im Jahr bringen sie mit Demonstrationen vor Ort ihren entschiedenen Protest gegen den diskriminierenden Namen zum Ausdruck.<\/p>\n<p><strong>Soll hier Geschichte \u201eausgel\u00f6scht\u201c werden?<\/strong><\/p>\n<p>Initiativen <em>wei\u00dfer<\/em> Menschen, die sich wie die Anwohnerinitiative \u201ePro Mohrenstra\u00dfe\u201c vehement f\u00fcr die Beibehaltung des diskriminierenden Stra\u00dfennamens einsetzen, unterstellen den kritischen Organisationen, dass sie einen wichtigen Teil der Berliner Stadtgeschichte ausl\u00f6schen wollen. Auch hier ist das Gegenteil der Fall: So ist es haupts\u00e4chlich ihrem Engagement zu verdanken, dass die noch immer peinlich verschwiegene Geschichte des Stra\u00dfennamens und des brandenburgisch-preu\u00dfischen Kolonial- und Versklavungshandels heute \u00fcberhaupt \u00f6ffentlich diskutiert wird. Zudem fordern die Initiativen nicht zur Tilgung von Geschichte sondern zu einem historischen Perspektivwechsel auf: Im U-Bahnhof und auf Infotafel sollen der bisherige Stra\u00dfenname, die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Umbenennung sowie der neue Name ausf\u00fchrlich thematisiert werden. Als alternative Namensgeber schlagen sie verdiente Pers\u00f6nlichkeiten afrikanischer Herkunft wie zum Beispiel Nelson Mandela (1918-2013) als K\u00e4mpfer gegen Rassismus oder Anton Wilhelm Amo (1703-ca. 1753) vor, der als Kind selbst versklavt und nach Deutschland verschleppt wurde und Preu\u00dfens erster Universit\u00e4tsgelehrter aus Afrika und Streiter f\u00fcr die Rechte der Schwarzen in Europa war.<\/p>\n<p><strong>Wie kann die Umbenennungsinitiative unterst\u00fctzt werden?<\/strong><\/p>\n<p>Der jetzige Stra\u00dfenname verletzt die W\u00fcrde Schwarzer Menschen in Berlin und schadet nachhaltig dem Ansehen der Stadt. Es ist daher h\u00f6chste Zeit zu handeln: Schreibt dem Bezirksb\u00fcrgermeister oder dem Kulturausschuss Protestbriefe oder -mails, beteiligt Euch an unserem j\u00e4hrlichen Umbenennungsfest, werdet im B\u00fcndnis \u201eDecolonize Mitte\u201c aktiv oder berichtet Euren Freund_innen und Verwandten \u00fcber die kolonialrassistische Geschichte des Stra\u00dfennamens. Die Umbenennung der Stra\u00dfe wird in jedem Fall kommen, aber allein unser gemeinsames Engagement wird dar\u00fcber entscheiden, wann wir unser gr\u00f6\u00dftes und letztes Fest in der M-Stra\u00dfe feiern!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Berliner \u201eMohrenstra\u00dfe\u201c soll umbenannt werden! Der 23. August ist der Internationale Tag zur Erinnerung an den Versklavungshandel und seine Abschaffung. Wir nehmen diesen Tag zum Anlass, Berlins direkte Beteiligung an dem \u00fcber Jahrhunderte hinweg praktizierten Verbrechen an der Menschheit in Erinnerung zu rufen. Selbst wenn die Stadt das gern verschweigt: Durch Berliner und Brandenburger,<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/decolonize-mitte.de\/?p=238\" class=\"more-link themebutton\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/decolonize-mitte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/238"}],"collection":[{"href":"http:\/\/decolonize-mitte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/decolonize-mitte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/decolonize-mitte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/decolonize-mitte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=238"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/decolonize-mitte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/238\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":241,"href":"http:\/\/decolonize-mitte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/238\/revisions\/241"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/decolonize-mitte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=238"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/decolonize-mitte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=238"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/decolonize-mitte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=238"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}